ErzählCafé

Die Veranstaltungen des KREATIVHAUS ErzählCafés.

ErzählCafé mit Werner Orlowsky, März 2004

Ein Trojanisches Pferd im Rathaus Kreuzberg

Der Bürgerbewegte und ehemalige Baustadtrat Werner Orlowsky erzählte im März 2004 im ErzählCafé von Politik und Bürgerbewegung.

Werner Orlowsky (*1928) war Gründungsmitglied der Freien Universität, bis Ende der 70er Inhaber eines Drogeriegeschäftes, Vorstandsmitglied des Stadtteilvereins So 36 und von 1981 - 1989 Baustadtrat in Kreuzberg.
Er ist bis auf den heutigen Tag ein leidschaften Streiter für Bürgerrechte und Bürgerinitiative.

ErzählCafé mit Bruder Thaddäus, April 2004

Ein Dach über dem Kopf reicht nicht

Im April 2004 im ErzählCafé erzählte der Franziskanermönch Bruder Thaddäus über das Werden seines Obdachlosenprojektes bei Zehdenick.
Bruder Thaddäus (* 1940) stammt aus dem Rheinland, dem Land der Kirche und des Karnevals.
In seinem früheren Leben war er Kaufmann.

ErzählCafé mit Walter Sylten, Februar 2004

Ein von den Nazis Verfolgter wird Sozialist und ist bald vom DDR-Sozialismus enttäuscht

Walter Sylten (*1930) war Sohn eines Pfarrers, der ein Fürsorgeheim für Mädchen leitete. Er erlebte seine Kindheit in Gera und Köstritz. 
Der Vater, zu dessen erziherischem Repertoire auch alttestamentarische Geschichten gehörten, entsprach schon bald nicht mehr dem herrschenden Bild eines deutschen Erziehers. Nach den Nürnberger Rassegesetze wurde der Vater als Halbjude abgestempelt, somit war sein Weg vorgezeichnet: Entlassung, Engagement für die Bekennende Kirche, Verhaftung und Tod im KZ. 

Der Jugendliche war als Vierteljude als einziger in seiner Schule nicht für die Hittler-Jugend tauglich. Den Einmarsch der Roten Armee empfand Walter Sylten, jetzt schon in Berlin, als Befreiung.
Nach dem Krieg arbeitete er kurz in der CDU-Ost mit, war evangelischer Delegierten im Jugendausschuss und Teil einer Oppositionsgruppe innerhalb der FDJ.

1948 kam es zum Bruch: Rauswurf aus der FDJ, Aberkennung des vom Vater geerbten Status Opfer des Faschismus und damit auch der Verlust des Anrechtes auf einen Studienplatz. Nach der Gründung der Freien Universität schrieb er sich in der Fu ein und siedelte nach Westberlin über. Dort bekam er den Status als Verfolgter des Nationalsozialismus wieder zu erkannt.

Walter Sylten besuchte das ErzählCafé im Februar 2004.

ErzählCafé mit Irmgard Schramm, Januar 2004

Zu Fuß von Neuruppin nach Sachsen – 1945: Aufbruch in eine neue Zeit

Im Winter 2004 erzählte Irmgard Schramm von Volkssolidarität.

Aus einem kleinem Dorf bei Neuruppin wollte sich sich die damals 20 Jahre alte Irmgard Schramm zu ihrer Familie nach Sachsen durchschlagen.
Es gab in der Neuruppiner Gegend wenig Kämpfe, aber Plünderungen und große Angst vor den russischen Soldaten.
Wie konnte in der Situation eine junge Frau hoffen, ungeschoren das halbe Land zu durchqueren?
Sie schloss sich einem Paar an.

ErzählCafé mit Käthe Miercke, November 2003

Eine Junglehrerin geht neue Wege - Unterricht an einer  thüringischen Dorfschule 1947

Direkt nach dem 2. Weltkrieg gehörte Käthe Miercke in Thüringen zu den sog. „Neulehrern“, die die früheren Lehrer mit NS-Vergangenheit ablösen sollten.
Nach nur achtmonatiger erster Ausbildung unterrichtete die gerade erst 18jährige eine 1. und 2. Klasse.

Bald darauf erreichte sie die Nachricht, dass sie ab sofort vorübergehend den Lehrer einer kleinen Dorfschule vertreten solle: eine Schule mit nur einer Klasse, in der alle Schüler von der 1. bis zur 8. Klasse saßen, in allen Fächern sollte sie sie unterrichten.
Eine gewaltige Aufgabe, ein Sprung in sehr kaltes Wasser.

ErzählCafé mit Gisela Stange, Dezember 2003

Kerzenglanz und Tannenduft

In Ihrer Kindheit hatte das Weihnachtsfest für Gisela Stange bestimmte Rituale, die jedes Jahr gleich waren, vom Keksebacken bis zum Schmücken des Weihnachtsbaums.
Sogar die Geschenke waren jedes Jahr ähnlich, meistens gab es Kleidung, Spiele und bunte Teller.
Aber auch die Nachbarn oder bedürftige Familien wurden bedacht.
Der Krieg brachte neben all dem anderen Schrecklichen auch Armut und Hunger, so dass Weihnachten 1945 das einzige Geschenk eine zweite Scheibe Brot am Festtag war

ErzählCafé mit Stefan Schultz, September 2003

Ruhestörung
Politische Gedichte und Alltagslyrik zur Gitarre

Die Texte, gesprochen und gesungen, sind aus „Ruhestörung“, dem zweiten Buch von StefanSchultz.
Sie sind lustiger geworden. Nicht mehr so schwere Inhalte und soviel Herzschmerz, obwohl man als Lyriker natürlich immer Herzensprobleme hat.
Ein Beispiel:

Der Lotteriebesitzer

ErzählCafé mit Rosemarie Grusdas, Mai 2003

„Land der dunklen Wälder und kristallnen Seen“
Bäuerliches Leben im Ostpreußen der dreißiger und vierziger Jahre

Rosemarie Grusdas wuchs in den dreißiger Jahren in einem kleinen Dorf in Ostpreußen, nicht weit entfernt vom damaligen Königsberg auf. Ihre Kindheit war geprägt von den Anforderungen des ländlichen Lebens, von der Arbeit auf dem Feld und im Stall, vom regelmäßigen Rhythmus der Festtage und Jahreszeiten.

Sobald im Frühling der Boden frostfrei war, wurden Kartoffeln gepflanzt. Die Aussaat des Getreides war Handarbeit, eine sehr rhythmischeTätigkeit, im festen Takt des Gehens in weitausholender Handbewegung. Zur Getreideernte kam dann die ganze Nachbarschaft zusammen, um beim Dreschen zu helfen. Mit der „Fuchtel“, eine schon damals uralte Maschine, wurde die Spreu vom Weizen getrennt. Die Kinder arbeiteten überall mit, sogar die Schulferien waren so gelegt, dass sie bei der Ernte helfen konnten. Im Winter hieß es lesen, Schlittschuhlaufen und Eissägen. In Stroh verpackt und in tiefen Kellern aufbewahrt (damals gab es noch keine Kühlschränke), hielt das Eis oft bis zum Juli und war eine unbeschreibliche Köstlichkeit.

Die Kindheit auf dem Lande erscheint idyllisch, aber was danach kam, war so viel schlimmer: Krieg, Vertreibung und Kriegsgefangenschaft. Seitdem wohnt Rosemarie Grusdas schon in Berlin, mehr als ein halbes Leben. Doch noch heute baut sie im Schrebergarten Gemüse und viele Obstsorten an, bestimmen die Jahreszeiten mit ihren Festen, ihren Mahlzeiten den Rhythmus ihres Lebens.

Rosemarie Grusdas besuchte das ErzählCafé im Mai 2003.

ErzählCafé mit Christel Friedrich, April 2003

Mein Vater war Bäckermeister – eine Kindheit auf der Fischerinsel

Christel Friedrich wurde 1934 im Fischerkiez geboren.
Die Eltern hatten eine Bäckerei in dieser Gegend, die den Ruf hatte, eine arme Gegend zu sein.
Aber das stimmt nicht, sagt sie, es war eine ganz normale Straße, normale Häuser, sie hat dort eine sehr glückliche Kindheit und Jugend erlebt.

Die Kinder spielten auf der Straße, denn es fuhren kaum Autos hier.
Wenn die Pferdewagen von „Butter Schulze“ nachmittags von Ihren Lieferungen zurückkamen, durfte sie ein paar Meter auf dem Kutschbock mitfahren.
Das tollste aber war, wenn sie einmal auf den Lastkähnen spielen durfte, die hier festmachten.

In der Straße wohnten auch viele jüdische Kinder, die irgendwann einen gelben Stern trugen.

ErzählCafé mit Gisela Jacobius, Oktober 2003

1933 hautnah! - verboten, verstoßen und versteckt

Es klingt unvorstellbar, aber Gisela Jacobius und ihre Eltern haben als Juden in Berlin die Nazizeit überlebt.
Unter größten Gefahren lebten sie bis 1945 im Untergrund.

Als nach der Reichspogromnacht die Lebens- und Überlebensbedingungen für Juden in Deutschland vollends unerträglich wurden, schließlich immer mehr Nachbarn und Freunde im KZ verschwanden, war das Leben im Untergrund die einzige Überlebenschance.
Sie wurden immer weitergereicht, hier und da konnten sie ein paar Wochen bleiben, immer in der Angst, verraten zu werden.
Zweimal ist sie in eine Ausweiskontrolle geraten, nur ihr großes Berliner Mundwerk hat sie gerettet.

ErzählCafé mit Barbara Küntscher und Christoph Gerngroß, Januar 2003

Streitschlichter im Gespräch

Ein Streitschlichter soll ein Ansprechpartner für SchülerInnen sein.
Tatsächlich sind aber die LehrerInnen und SozialpägogInnen, die ihm Schüler, die Streit miteinander haben, schicken.
Das schränkt die positive Wirkung des Amtes auf den Schulalltag stark ein.
In einem Kurs wird der Schüler mit Rollenspielen zu Konfliktsituationen und der Einübung bestimmter Regeln auf das Amt vorbereitet.
Die Schlichtertätigkeit hat die beruflichen Wünsche von Christoph Gerngroß nicht inspiriert.
Er ist aber bereit, selber Streitschlichter auszubilden.

Barbara Küntscher ist eine von 10 Schiedspersonen in Mitte und von 120 in ganz Berlin.
Sie ist als Schiedsfrau auch für die Fischerinsel zuständig.
Es ist zwar ein Ehrenamt, aber bei geringfügigen Strafsachen ist der Weg über die Schiedsperson vorgeschrieben.
Auch bei kleineren zivilrechtlichen Fällen empfiehlt sich die Schiedstelle als billigere Alternative zum Gerichtsverfahren.
Nicht zuständig ist die Schiedsstelle bei familien- oder abrbeitsrechtlichen Konflikten.

Hundegebell und Streitgkeiten zwischen  Gartennachbarn sind übliche Konflikte.
Der Beschuldigte muss der Ladungder Schiedsstelle Folge leisten.
In schwierigen Fällen kann die Schiedsfrau die Polizei um Amtshilfe bitten.
Die Schlichtung kann nur erfolgreich sein, wenn die Gegner sich auch einigen wollen, die Gebühr teilen sich die Parteien.
Das Bezirksamt und Schiedsperson erhalten je die Hälfte davon.

Barbara Küntscher und Christoph Gerngroß besuchten das ErzählCafé im Januar 2003.

ErzählCafé mit Rosemarie Bender-Rasmuß, März 2003

Gorbatschow, Hamm-Brücher und Mandela – Lebensgeschichten in Collagen

Mitte der 80er Jahre begann die ehemaligen Kunsterzieherin Rosemarie Bender-Rasmuß damit, Collagen über Prominente herzustellen.
Über die Jahre hat sie eine große Anzahl dieser Collagen geschaffen und schon einmal in einer großen Ausstellung präsentiert.
Ein wichtiges Detail dieser Collagen war immer die Unterschrift der jeweiligen Prominenten, die zu beschaffen oft abenteuerlich und reich an Anekdoten war.
Wie bekommt man von Nelson Mandela oder Michail Gorbatschow eine Unterschrift?

ErzählCafé mit Inge Schmidt, Februar 2003

Ein Kind erlebt die Kriegszeit 1941 bis 1945

Inge Schmidt war sechs Jahre alt, als sie 1941 wegen der zunehmenden Bombenangriffe auf Berlin aufs Land verschickt wurde.
Auf einem Bauernhof in Moschin, heute Moschina, verbrachten sie und ihr Bruder unbeschwerte Monate.
Aber zugleich entfremdeten sie sich von ihren Eltern, bei einem Besuch wirkten sie zuerst fast wie Fremde.

Doch der Krieg kam auch zu ihnen, die Front rückte näher, und so nahmen sie was sie tragen konnten und zogen im Januar 1945 in einem großen Treck Richtung Westen, auf der Flucht vor der Roten Armee.
Mutter hatte vom Vater gehört, wie die Deutschen in der Ukraine gehaust hatten, und sie hatte ihm versprochen, dass sie und die Kinder nicht lebendig in die Hände der Roten Armee fallen werden.
War das ernst gemeint?

ErzählCafé mit Hans Schroeder, Dezember 2002

„Die Fischerinsel vor 44 Jahren – eine Künstlerkolonie“

Es war das Jahr 1925, als der große Handpuppenspieler Karl Iwowsky das Spiel mit und nicht mehr nur vor seinem Publikum einführte. Weg von der traditionellen Guck-kastenbühne hin zum Puppenspiel im Raum.
Hier auf der Fischerinsel hatte er sein Atelier. In das viele Jahre später der 1928 geborene Hans Schroeder einzog.
Sein älteres, großes Vorbild lernte der junge Schroeder in den fünfziger Jahren bei Arbeiten für die DEFA kennen.
Nur war Hans Schroeder jetzt der Handpuppenspieler, Karl Iwowsky arbeitete mit Marionetten.
Seit die Nazis viele Puppenspieler zur Wehrmachtsbetreuung einsetzten, die mit dem staatserhaltenden Kasperle und nicht mehr mit dem romantisch-pädagogischen Kasper zu arbeiten hatten, fasste Iwowsky keine Handpuppe mehr an...

Er führte die Marionetten in dem wunderbaren Film „Pole Poppenspäler“.

Hans Schroeder drehte die ersten Handpuppenfilme, arbeitete für das Dresdener Trickfilmstudio und ab 1957 für das Kinderfernsehen.
Generationen wuchsen mit den TV-Sendungen „Kater und Häschen“ und „Herr Fuchs und Frau Elster“ auf.
Eine Zeit voller Arbeit an guten Projekten.
Und voller Ideen: auf der Fischerinsel sollten Ateliers und Werkstätten einziehen, eine Künstlerkolonie entstehen.

1965 war der Traum ausgeträumt, die alten Häuser wurden abgerissen.
Etwas ist an diesem Ort davon geblieben.
Das KREATIVHAUS nimmt mit seinen spiel- und theaterpädagogischen Angeboten den Faden auf und spinnt ihn weiter ...

Hans Schroeder besuchte das ErzählCafé im Dezember 2002.

Ein kurzer Ausschnitt seines Auftritts auf unserem YouTube-Kanal:

ErzählCafé mit Nina Madlen Korn, November 2002

Eine Märchenerzählerin und „Das Geheimnis des fliegenden Koffers“

Zu Gast ist eine Märchenerzählerin. Manche werden sich fragen, ist das ein Beruf?
Die das tun, können Nina Madlen Korn, Jahrgang 1938, noch nicht begegnet sein.
Denn für sie ist es nicht nur das, sondern eher schon Berufung.
Eine Art familiärer Erblast, Widerstand zwecklos.

Die Mutter Ilse Korn war Bibliothekarin und leidenschaftliche Leserin und Erzählerin, besonders von Märchen.
In der Nachkriegszeit war sie verantwortlich für das Kinderbibliothekswesen.
Es fehlte an allem, auch an Büchern.

Not macht bekanntlich erfinderisch.
Die Idee, Märchen in den Bibliotheksräumen zu erzählen, war geboren.
Die Lust am Fabulieren, am angewandten Umgang mit der Sprache, hat Nina Korn schon früh ergriffen und bis heute nicht losgelassen.
Im Gegenteil. Die ehemalige Rundfunkdramaturgin ist seit etlichen Jahren professionelle Märchenerzählerin.
Sie haben also eine Chance, sich noch von ihr verzaubern zu lassen. 
Übrigens, Sohn, Tochter und Enkel erzählen auch.
Es war einmal, pardon, es ist eine Familie ...

Nina Madlen Korn besuchte das ErzählCafé im November 2002 und im Dezember 2007.
Hier ein kurzer Ausschnitt ihres Auftritts von 2002:

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